Am Amazonas fällt die Entscheidung

9. Januar 2012 | Von www.das-jahr-der-waelder.de Peter Gaß | | Kategorie: Welt

Illegal geschlagener Wald wird abtransportiert. Foto: Peter Gaß

Illegal geschlagener Wald wird abtransportiert. Foto: Peter Gaß

Der Regenwald am Amazonas bedeckt große Teile Brasiliens, Perus und Ecuadors. Mit sieben Millionen Quadratkilometern ist er das größte Waldgebiet der Erde – mehr als anderthalb Mal so groß wie die EU. Nirgendwo auf der Erde gibt es so viele Tier- und Pflanzenarten. Das Amazonas-Gebiet ist nach dem Meer einer der größten CO2-Speicher der Welt. Der Verlust des Regenwaldes wäre für die gesamte Erde eine Katastrophe.

Es ist noch nicht lange her, da fielen jährlich 20.000 km2 Wald am Amazonas den Kettensägen und der Brandrodung zum Opfer. Inzwischen ist der jährliche Waldverlust in Brasilien auf 7.500 km2 gesunken – rund die Hälfte der Fläche Schleswig-Holsteins. Doch es hat große Anstrengungen gebraucht, den Wald zu schützen, denn der Druck durch Viehwirtschaft, Sojaanbau, Straßenerschließung und illegalen Holzeinschlag war und ist enorm. Obwohl der Wald größtenteils dem Staat gehört, hat er sich früher nicht um seinen Besitz gekümmert. Es gab daher illegale Landnahmen zuhauf. In vielen Regionen ist das auch heute noch an der Tagesordnung.

Doch in Brasilien hat sich die Situation seit 2004 radikal geändert. Maßgeblich mit deutscher Unterstützung wurde eine umfassende Strategie zur Rettung des Regenwaldes entwickelt. Dazu gehören Kontrollsysteme bis hin zur Satellitenüberwachung in Echtzeit, um sofort bei illegalen Rodungen einschreiten zu können. Holztransporter müssen seit 2007 eine mit deutscher Hilfe entwickelte elektronische Lizenz dabei haben, die illegale Holztransporte erschwert. Die Ureinwohner erhielten Besitzrechte am Urwald, in dem sie leben – und verteidigen ihn gegen jede Landnahme. In den so geschützten Gebieten werden Bäume nur noch vereinzelt geschlagen, stattdessen leben die Menschen vom Ertrag des Waldes und von seinem Schutz.

Brasilien greift durch
53 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 200.000 km2 und 99 Indianergebiete mit insgesamt über 380.000 km2 wurden eingerichtet. Nach Aussage der brasilianischen Umweltministerin Izabella Teixeira hat Brasilien seit 2004 rund 600 Kontrollaktionen im Regenwald durchgeführt. Dabei haben die staatlichen Kontrolleure hart durchgegriffen, Strafgelder verhängt und Vieh beschlagnahmt In nur fünf Jahren sind die Entwaldungsraten in Brasilien um fast 75 % zurückgegangen. Bald soll sich die Erhaltung des Regenwaldes aber auch für die Länder selbst lohnen. Denn die Weltgemeinschaft verhandelt seit 2005 wie Länder honoriert werden sollen, wenn die Tropenwälder nicht mehr abgeholzt werden und so das im Holz und im Boden gebundene CO2 nicht durch Abholzung und Brandrodung in die Atmosphäre gelangt. Bis es soweit ist, haben sich 55 Länder zu einer REDD+ Partnerschaft zusammengeschlossen, in der sie ihre Pilotaktivitäten abstimmen. Nach dem brasilianischen Vorbild werden in den REDD-Programmen zunächst einmal alle Daten über Waldgrößen, Raubbau sowie Kohlenstoffeinlagerungen zusammengetragen und ein Kontrollsystem durch Feldstationen und Satellitenüberwachung aufgebaut. Anschließend wird versucht, den Raubbau zu stoppen und neue Einkommensquellen aufzubauen. Schließlich sollen die Länder Geld im Tausch gegen erfolgte Emissionsreduktionen erhalten.

Auch in anderen Amazonasanrainerstaaten schreitet die Zerstörung der Regenwälder voran. Die größten relativen Waldverluste sind in Ecuador zu beklagen. Jedes Jahr verliert das Land 1,5 Prozent seiner Waldfläche – so viel wie in keinem anderen Land Lateinamerikas. Ursache der Abholzung sind die wachsende Ölund Gasförderung, der illegale Holzeinschlag und die sich ausdehnende „Agrarfront“ mit Großplantagen und Viehweiden.

475 Millionen Euro für den Wald
Die Bundesregierung hat über die KfW 10 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um das Programm Socio Bosque (PSB) zu unterstützen, das im Jahr 2008 auf Initiative Ecuadors startete. Pro Hektar Wald, der nicht abgeholzt wird, erhalten die Besitzer 0,5 bis 50 US-Dollar pro Jahr. Insbesondere indigene und afroecuadorianische Gemeinden nutzen das Angebot. Aktuell sind 400.000 Hektar durch langfristige Verträge geschützt. Der Bedarf ist allerdings zehnmal so hoch. Deshalb unterstützt Deutschland die ecuadorianische Regierung, weitere internationale Geldgeber für das Schutzprogramm zu finden.

Aktuell finanziert die KfW im Auftrag der Bundesregierung weltweit Schutzprogramme für 64 Millionen Hektar Wald, das entspricht einer Fläche so groß wie Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Allein in Lateinamerika beläuft sich das Zusagevolumen für Waldschutz auf rund 475 Millionen Euro.

Text: KfW Bankengruppe, KfW-Infodienst Biologische Vielfalt: Deutschland engagiert sich weltwelt, Oktober 2010
Foto: Peter Gaß

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